Neurowissenschaftlerin Uta Frith: „Wir sind alle neurodivers“

Ein aktueller Artikel greift eine zunehmend kontrovers geführte Diskussion rund um das Konzept der Neurodiversität auf und stellt kritische Stimmen aus der Autismusforschung in den Mittelpunkt. Im Fokus steht hierbei die Psychologin und Autismusforscherin Uta Frith, die sich deutlich zum gegenwärtigen Verständnis des Autismus-Spektrums äußert.

Im Beitrag wird die Entwicklung beschrieben, dass sich die Definition des Spektrums in den vergangenen Jahren erheblich ausgeweitet hat. Dabei wird sowohl auf die steigende Zahl an Diagnosen als auch auf die wachsende gesellschaftliche Präsenz des Themas eingegangen.

Zugleich wird die Frage aufgeworfen, ob der Begriff Neurodiversität zunehmend an Trennschärfe verliert und damit bestehende Unterschiede innerhalb des Spektrums weniger klar erkennbar sind.

In diesem Zusammenhang wird auch diskutiert, inwiefern sich die Wahrnehmung von Autismus verändert und welche Auswirkungen dies auf Diagnostik und Einordnung haben könnte. Der Artikel greift damit eine Debatte auf, die sowohl in Fachkreisen als auch gesellschaftlich an Bedeutung gewinnt.

Quelle: ¬ NiUS.de – 15. März 2026
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Parkinson-Risiko

Studie liefert Hinweise auf erhöhtes Parkinson-Risiko bei Menschen mit Autismus

Das Deutsche Ärzteblatt berichtete im Juni 2025 über eine Registerstudie aus Schweden, die auf einen Zusammenhang zwischen Autismus und einem erhöhten Risiko für Parkinson hinweist. Grundlage der Untersuchung waren landesweite Gesundheitsregister mit Daten von mehr als zwei Millionen Menschen, darunter mehrere zehntausend Personen mit einer Autismus-Diagnose.

Die Auswertung zeigte, dass Menschen mit Autismus im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein etwa vierfach erhöhtes Risiko hatten, im Laufe ihres Lebens an Parkinson zu erkranken. Gleichzeitig bleibt Parkinson insgesamt eine seltene Erkrankung, auch innerhalb dieser Gruppe.

Auffällig war, dass die Parkinson-Diagnose bei Menschen mit Autismus teilweise in einem vergleichsweise jungen Lebensalter gestellt wurde. Der beobachtete Zusammenhang blieb bestehen, auch nachdem Faktoren wie Geschlecht, Begleiterkrankungen und Medikamenteneinnahme statistisch berücksichtigt wurden.

Zur Ursache äußert sich die Studie nicht abschließend. Diskutiert werden mögliche gemeinsame biologische Grundlagen, darunter Veränderungen im Dopaminsystem sowie genetische Faktoren, die bei beiden Erkrankungen eine Rolle spielen könnten. Diese Zusammenhänge gelten bislang als Forschungsansätze und sind nicht abschließend geklärt.

Die Ergebnisse deuten auf einen statistischen Zusammenhang zwischen Autismus und Parkinson hin, ohne eine Ursache-Wirkung-Beziehung nachzuweisen. Sie machen deutlich, dass Autismus auch im Zusammenhang mit langfristigen neurologischen Entwicklungen betrachtet werden sollte und unterstreichen den Bedarf an weiterer Forschung.

Quelle: ¬ Deutsches Ärzteblatt – Juni 2025
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Autistische Weihnachten?

Eine andere Perspektive

Für viele Menschen sind die Feiertage eine Zeit der Freude, der Nähe und der Traditionen. Für die meisten Autisten hingegen stellen sie eine besondere Herausforderung dar. Gewohnte Routinen brechen weg, Reize nehmen stark zu und soziale Erwartungen werden intensiver. Dinge, die im Alltag bereits Kraft kosten, verdichten sich in dieser Zeit erheblich.

Weihnachten bedeutet nicht nur festliche Stimmung, sondern auch grelles oder blinkendes Licht, ungewohnte Gerüche, laute Umgebungen, volle Geschäfte und zahlreiche soziale Interaktionen. Hinzu kommen Erwartungen an Verhalten, Emotionen und Dankbarkeit, die oft schwer umzusetzen sind. Was von außen harmlos oder selbstverständlich wirkt, kann schnell zu Überforderung führen.

Da ich häufig nach meinem Umgang mit Feiertagen gefragt werde und das Thema offensichtlich viele Autisten betrifft, möchte ich in dem heutigen Beitrag beschreiben, warum diese Zeit so belastend sein kann und was das konkret für unseren Alltag bedeutet.

Reizüberflutung in der Weihnachtszeit

In der Vorweihnachtszeit nehmen Reize deutlich zu. Überall bunte Lichter, oft blinkend, es riecht nach Gewürzen, Essen oder Parfüm. In den Geschäften spielt Musik, Menschen sprechen durcheinander, Einkaufswagen klappern, Kassen piepen. Was für viele zur „festlichen Stimmung“ gehört, kann für Autisten schnell zu einer massiven Reizüberflutung führen.

Hinzu kommt, dass sich diese Reize kaum vermeiden lassen. Selbst kurze Erledigungen werden anstrengender als sonst, weil die Umgebung unruhiger, voller und lauter ist. Die Belastungsgrenze wird schneller erreicht, Overloads (Überlastung durch zu viele Eindrücke gleichzeitig) oder Meltdowns (heftige Reaktion auf Überforderung) können häufiger auftreten – nicht, weil man „weniger belastbar“ ist, sondern weil einfach deutlich mehr gleichzeitig verarbeitet werden muss.

Soziale Erwartungen und Masking

Feiertage bedeuten oft mehr soziale Kontakte: Familienfeiern, Besuche, Telefonate, gemeinsame Essen. Die soziale Interaktion ist intensiver und dichter getaktet als im Alltag.

Es wird erwartet, dass man sich freut, dankbar ist, Interesse zeigt, Gespräche führt und Nähe zulässt. Für viele Autisten bedeutet das dauerhaftes Maskieren (Masking, auch Camouflaging genannt, mit dem Betroffene ihre natürlichen Merkmale verbergen, um neurotypisch zu erscheinen und soziale Akzeptanz zu finden). Eigene Bedürfnisse werden zurückgestellt, um alle Erwartungen zu erfüllen. Dieser Zustand hält oft über Tage an und kostet enorme Energie.

Die Erschöpfung lässt daher meist nicht lange auf sich warten. Was nach außen vielleicht ruhig wirkt, ist innerlich häufig ein ständiges Anpassen, Kontrollieren und Durchhalten.

Geschenke, Reaktionen und Unsicherheiten

Ein weiterer Stressfaktor sind Geschenke. Viele Fragen tauchen auf:
Was, wenn mir ein Geschenk nicht gefällt?
Wie zeige ich Freude, ohne mich zu verstellen?
Wie reagiere ich „richtig“?

Diese Unsicherheiten entstehen nicht aus Undankbarkeit, sondern aus der Schwierigkeit, soziale Codes intuitiv zu bedienen. Erwartete Reaktionen wirken oft wie unausgesprochene Regeln, die man erfüllen soll. Auch das erhöht den inneren Druck und verstärkt das Gefühl, ständig bewertet zu werden.

Routinen, Festessen und Safe Food

Feiertage sind häufig mit traditionellem Essen verbunden. Gerichte, die selten oder nie auf dem Speiseplan stehen, neue Konsistenzen, Gerüche oder Geschmäcker. Da für Autisten Safe Food (Nahrungsmittel, die aufgrund ihrer konsistenten Sensorik Sicherheit und Halt geben und emotionale Überforderung durch Vorhersehbarkeit und Struktur reduzieren) ein wichtiger Bestandteil von Stabilität und Wohlbefinden ist, kann das sehr belastend sein.

Oft kommen Kommentare oder Erwartungen hinzu, „doch wenigstens zu probieren“ oder „sich nicht so anzustellen“. Dabei geht es nicht um Unwillen, sondern um Selbstschutz. Essen ist für viele Autisten kein nebensächliches Thema, sondern eng mit Sicherheit und Kontrolle verbunden.

Zusätzlich verändern sich Tagesabläufe, Schlafzeiten und feste Routinen. Was sonst Halt gibt, fällt weg oder wird verschoben.

Kontrollverlust und fehlende Planbarkeit

All diese Faktoren führen zu einem Gefühl von Kontrollverlust. Situationen sind schwer vorhersehbar, Abläufe ändern sich spontan, Rückzugsmöglichkeiten fehlen. Die gewohnte Planbarkeit des Alltags geht verloren.

Für Autisten, die Struktur brauchen, um sich sicher zu fühlen, ist das besonders herausfordernd. Entscheidungen müssen schneller getroffen werden, Anpassungen häufiger erfolgen. Das kann sehr schnell überfordern.

Abschließende Worte

Feiertage wie Weihnachten sind für die meisten Autisten keine Zeit der Erholung, sondern eine Phase erhöhter Belastung. Das bedeutet nicht, dass Autisten „unflexibel“ oder „schwierig“ sind, sondern dass ihre Wahrnehmung, ihre Bedürfnisse und ihre Grenzen anders funktionieren. Wenn Routinen wegfallen, Reize zunehmen und Erwartungen steigen, kostet das Kraft – oft mehr, als von außen sichtbar ist.

Es ist in Ordnung, Grenzen zu haben. Es ist in Ordnung, früher zu gehen, Pausen zu brauchen, nicht alles mitzumachen oder Feiertage anders zu gestalten. Weihnachten muss nicht perfekt sein, nicht laut, nicht gesellig und nicht traditionell. Es darf auch ruhig sein, reduziert oder ganz individuell. Selbstfürsorge ist kein Versagen, sondern notwendig.

Für Angehörige, Freunde oder Bekannte

Dieser Blogartikel soll helfen, besser zu verstehen, warum Weihnachten für Autisten oft anstrengender ist. Verständnis, Geduld und Rücksichtnahme können diese Zeit deutlich leichter machen – ohne dass man Autisten „unterrichten“ oder bevormunden muss.

Wie Feiertage gut gelingen können

Routinen wenn möglich beibehalten
Auch kleine feste Elemente im Tagesablauf können Halt geben. Feste Essenszeiten, Erholungsphasen oder gewohnte Abendrituale helfen, Stabilität zu bewahren.

Reize reduzieren
Nicht jede Einladung muss angenommen werden. Es ist erlaubt, Dekoration zu reduzieren, Kopfhörer und StimToys zu nutzen oder sich zeitweise zurückzuziehen. Weniger Reize bedeuten mehr Energie.

Pausen einplanen
Feiertage müssen nicht „durchgehalten“ werden. Geplante Pausen, Rückzug in einen ruhigen Raum oder Spaziergänge können helfen, Überforderung vorzubeugen.

Klare Kommunikation
Klare Absprachen im Vorfeld können Stress reduzieren: Wie lange bleibe ich? Gibt es einen Rückzugsort? Welche Erwartungen gibt es wirklich und welche nur vermeintlich?

Safe Food ernst nehmen
Es ist legitim, eigenes Essen mitzubringen oder auf vertraute Speisen zu bestehen. Essen sollte Sicherheit geben, nicht zusätzlichen Stress verursachen.

Erwartungen an sich selbst senken
Man muss nicht alles „richtig“ machen. Freude darf leise sein, Dankbarkeit muss nicht gespielt werden. Authentisch zu bleiben ist wichtiger als Ansprüchen gerecht zu werden.

Autismus-Forschung

Philadelphia Eagles-Eigentümer spendet 50 Millionen Dollar für Autismus-Forschung

Der Eigentümer der NFL-Mannschaft Philadelphia Eagles hat 50 Millionen Dollar für die Forschung im Bereich Autismus gespendet. Mit dieser großzügigen Finanzierung wurde das „Lurie Autism Institute“ gegründet, das sich auf die Erforschung genetischer, biologischer und verhaltensbezogener Aspekte von Autismus konzentriert.

Das Institut verfolgt das Ziel, neue Erkenntnisse zu gewinnen, die sowohl die Diagnostik als auch die Unterstützung im Alltag verbessern können. Geplant sind unter anderem Projekte zu Frühdiagnose, Therapieansätzen und der Lebensqualität von Menschen im Autismus-Spektrum.

Diese Spende zeigt, wie private Förderung die Autismus-Forschung voranbringen kann. Sie macht deutlich, dass finanzielle Ressourcen einen wichtigen Beitrag leisten, um neue Erkenntnisse schneller in die Praxis zu übertragen – sei es in der Medizin, Therapie oder gesellschaftlichen Unterstützung.

Quelle: ¬ Bild.de – Juni 2025
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Autismus ist nicht gleich Autismus

Diagnosealter entscheidend

Eine Studie der Universität Cambridge zeigt, dass das Alter bei der Diagnosestellung einen großen Einfluss darauf hat, wie sich Autismus im Alltag zeigt. Menschen, die schon in der Kindheit diagnostiziert werden, unterscheiden sich in einigen Bereichen deutlich von jenen, die erst im Erwachsenenalter eine Diagnose erhalten.

Die Forschenden betonen, dass es nicht den Autismus gibt, sondern viele unterschiedliche Ausprägungen und Lebenswege. Das Diagnosealter beeinflusst, wie stark Unterstützungssysteme greifen, wie Betroffene mit sozialen Anforderungen umgehen und wie sie ihr Selbstbild entwickeln.

Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig individuelle Diagnostik und passgenaue Unterstützung sind, unabhängig vom Zeitpunkt der Diagnose.

Quelle: ¬ Blick.ch – Oktober 2025
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